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Eine positive Antwort auf Seaspiracy

Die schonungslose Erzählweise von Seaspiracy (Netflix-Dokumentation) hat Wellen geschlagen und Aufmerksamkeit erregt – auch bei uns und unseren Kundinnen und Kunden. Ein Kommentar von Rafael Waber, Gründer und Geschäftsführer von SwissShrimp.

Quelle: Netflix
Quelle: Netflix

Die Netflix-Dokumentation Seaspiracy zeigt schonungslos auf, wie es auf den Weltmeeren zu und her geht. Der Regisseur Ali Tabrizi ist gleichzeitig der Protagonist im Film. Die Erzählweise ist packend, seine Perspektive extrem. Nicht zu Unrecht stellte die Autorin Denise Bucher in der NZZ am Sonntag vom 03.04.2021 in einem Bericht über den Film die offene Frage: Kann das alles wahr sein?

Diese Frage ist schwierig oder unmöglich zu beantworten und es ist vielleicht auch gar nicht nötig. Viel wichtiger ist, dass dank dieser ausstrahlungskräftigen Publikation eine Diskussion über die global agierende, jedoch relativ intransparente Fischereibranche angestossen wurde. Sie dreht sich je nach Perspektive um das Tierwohl, die Klimaziele, Sklaverei oder die Überfischung im Allgemeinen – allesamt sehr komplexe und zusammenhängende Aspekte. Es scheint mir, als hätte niemand mehr den Überblick. Sogar die Faktenlage im Film – ein vermeintlich rettender Anker – wird in Fachkreisen kritisiert respektive widerlegt: Die im Dokumentarfilm enthaltene Studie aus dem Jahr 2006, die prognostiziert, dass «der Ozean bis 2048 leergefischt sein wird», wurde vom Autor der Studie längst widerlegt (Tages Anzeiger, 13.04.2021) Wie also können wir uns als Konsumentinnen und Konsumenten engagieren, wenn die Informationen so komplex sind, dass sie für uns nicht mehr überblickbar sind? Regisseur Ali Tabrizi empfiehlt den kompletten Verzicht auf Fisch. Das ist für meinen Geschmack etwas zu dogmatisch. Der Genuss von Fisch und Meeresfrüchten ist weiterhin guten Gewissens möglich. Sie bewusst auszuwählen und sich über Herstellungsbedingungen Gedanken zu machen, sind dafür aber wichtige Voraussetzungen. Hilfestellungen an der Theke oder im Restaurant liefert beispielsweise die für mich persönlich bezüglich dieser Thematik vertrauenswürdige Organisation fair-fish. Um Fisch und Meeresfrüchte nachhaltig geniessen zu können, ist für mich aber nicht irgendein Label, sondern Regionalität am wichtigsten. Produzentinnen und Produzenten aus der Region kann ich kennenlernen und so ein Vertrauensverhältnis zu deren Produkt aufbauen. Umso mehr freue ich mich über jedes neue, lokale Aquakulturprojekt und empfehle allen Pionierinnen und Pionieren in dieser Branche ganz persönlich und aus eigener SwissShrimp-Erfahrung eine geradlinige Haltung. Was wir brauchen sind vertrauenswürdige Delikatessen, welche wir massvoll mit gutem Gewissen geniessen können. Der Preis ist zweitrangig. Wenn schon, denn schon!

P.S.: Könnten die im Schweizer Detailhandel nicht verkauften Fischfilets zu Fischmehl für ein nachhaltiges Schweizer Shrimpsfutter verarbeitet werden? Die Idee ist da, für die Realisierung braucht es starke Partner mit Haltung und Tatendrang.

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